AquarellEin Aquarell (von lat. aqua Wasser) ist ein mit wasserlöslichen,
nicht deckenden Farben angefertigtes Bild. Dabei werden die aus einem
Bindemittel (Gummi arabicum) und Farbpigmenten bestehenden lasierenden
Farben mit Wasser verdünnt und mit einem Haarpinsel auf Papier,
Pergament oder andere Materialien aufgetragen. Im Unterschied zu Gouache
und Tempera schimmert der Malgrund durch die Farben hindurch. Farbmischungen
entstehen in der Regel durch das Übereinandermalen verschiedener
transparenter Farbschichten. Weiß entsteht dort, wo der Papiergrund
ausgespart wird. GeschichteDas Malen mit wasserlöslichen Farben gehört zu den ältesten
Maltechniken überhaupt. Bereits die Höhlenmalerei ist unter
Einsatz von einfachen Pinseln und in Wasser und Fett gelöstem
Hämatit oder Holzkohle entstanden. Aus Ägypten ist bemaltes
Papyrus erhalten, und aus dem asiatischen Raum Bilder und Kalligraphie
mit wasserlöslichen Tuschen. In der Regel waren diese Wasserfarben
deckend bzw. wurden mit deckender, weißer Farbe
eingedickt, so zum Beispiel in der mittelalterlichen Wandmalerei und
bei der Miniaturmalerei. GrundlagenIn der Aquarellmalerei kommen zahlreiche Techniken zum Einsatz, deren Bezeichnungen aber uneinheitlich sind. In der Regel sind die Techniken Variationen zweier Grundtechniken: Lasieren und Lavieren. Ihnen zugrunde liegt wiederum ein bestimmter Umgang mit Malgrund, Pinsel und Farbe. Aus ihnen entsteht bei allen Unterschieden im Detaill das Charakteristische eines Aquarells. MalgrundDer am häufigsten verwendete Malgrund ist Papier. Mit der raschen Entwicklung der Papierfabrikation im 15. Jahrhundert war eine der entscheidenden Voraussetzungen geschaffen, dass sich die Aquarellmalerei als eigenständige Kunstform überhaupt entwickeln konnte. Heute übliche Aquarellpapiere gehen auf englische Papiere des 18. Jahrhunderts zurück. Das zum Aquarellieren geeignete Papier muss saugfähig, mit einer rauhen Textur versehen und dennoch glatt genug sein, dass sich die im Wasser gelöschte Farbpigmente gleichmäßig verteilen und anhaften können. Das übliche Papiergewicht liegt zwischen 180 und 400 g. Neben industriell gefertigtem Papier kommt auch handgeschöpftes Papier, Büttenpapier und Japanpapier in Betracht. Seltener ist Seide. Aquarellartige Bilder auf nicht saugendem Untergrund verlangen den Einsatz alternativer Farben (zum Beispiel Acryl) oder besonderer Haft- und Bindemittel. PinselführungGemalt wird normalerweise mit einem Pinsel, der in unterschiedlicher
Weise über das Papier geführt wird (variable Linienstärken,
Tupfer, Drehungen). Als natürliches Material haben sich Pinsel
aus Rotmarderhaar bewährt, weil sie trotz hoher Elastizität
in Form bleiben (dünne Spitze), viel Farbe aufnehmen und leicht
wieder abgeben können. In jüngster Zeit sind spezielle Aquarellpinsel
aus dünnen synthetischen Fasern hinzugekommen. Neben diesen Haarpinseln
mit feiner Spitze kommen auch gefächerte Haarpinsel für
das großflächige Arbeiten sowie Borstenpinsel zum Einsatz.
Auch ein Naturschwamm - in der Regel zum Anfeuchten des Papiers verwendet
-kann zum flächigen Malen wie zum Verwaschen verwendet werden. Einsatz von FarbeVon großer Bedeutung für die Aquarellmalerei ist die Arbeit
mit den Primärfarben. Zwar gibt es sämtliche Farben fertig
gemischt in Näpfen und Tuben zu kaufen, Puristen in der Aquarellmalerei
mischen aber jede benötigte Farbe gemäß den Regeln
der Farblehre selbst. Bevorzugt wird dabei die Mischung der Farben
durch das Lasieren, also das schichtweise Übermalen. Zwar lassen
sich die Farben auch im Wasser mischen, doch nimmt diese Methode den
Aquarellfarben ihren typischen, strahlenden Glanz. GrundtechnikenLasierenDie wichtigste Grundtechnik der Aquarellmalerei ist die Lasur; ihre Anwendung legt sich schon durch den Einsatz der speziellen, lasierenden Farben nahe. Beim Lasieren wird die stark mit Wasser verdünnte Farbe auf den trockenen Malgrund aufgetragen. Die Farbe trocknet durch den dünnen Auftrag sehr schnell und lässt sich nach dem Trocknen übermalen. Wird immer der gleiche Farbton verwendet, entstehen so dunklere und hellere Bereiche. Bei unterschiedlichen Farben entstehen durch die verschiedenen Lasuren neue Farbtöne. Die Farbschichten lassen sich über- und nebeneinander anlegen (siehe Abb. 2). Die Lasurtechnik zeichnet sich durch scharfe Ränder aus und verlangt eine hohe Präzision und genaue Kenntnis der Wirkung verschiedener Farbtechniken. LavierenDie zweite Grundtechnik ist das Lavieren. Darunter fällt zunächst die Verlauftechnik, zum weiteren die Nass-in-Nass-Technik. Umstritten ist, ob sich bei diesen Techniken um Varianten der Lavierung handelt oder um zwei eigenständige Techniken. Von der Antwort auf diese Frage hängt es ab, ob man beim Aquarellieren von zwei oder von drei Grundtechniken spricht. Hier werden beiden Techniken als Varianten der Lavierung verstanden. VerlauftechnikUnumstritten ist, dass die Verlauftechniken eine Lavierung (von lat. lavare [ver]waschen) im engeren Sinne ist. Bei der Verlauftechnik wird eine Farbe so auf den Malgrund aufgetragen , dass sie gleichmäßig immer blasser wird oder langsam in einen anderen Farbton übergeht. Dazu wird zunächst Farbe auf den Malgrund aufgetragen und dann mit einem ausgewaschenen und mit klarem Wasser angefeuchteten Pinsel gleichmäßig auslaufend auf dem Malgrund verteilt. In der Regel wird der Malgrund trocken sein, aber einen stärkeren - allerdings auch unkontrollierbareren - Effekt erreicht man auf einem angefeuchteten Malgrund. Hier ist dann der Übergang zur Nass-in-Nass-Technik erreicht. Nass-in-Nass-TechnikBei der Nass-in-Nass-Technik wird auf dem feuchten Malgrund oder in eine noch feuchte Farbe hineingemalt, wodurch die Farben ver- bzw. ineinanderlaufen. Diese Technik gibt es nicht nur beim Aquarell, sondern auch bei anderen Maltechniken. Einige Aquarellisten lehnen den Einsatz der Nass-in-Nass-Technik ab, weil sie nur wenig kontrollierbar ist. Andere sehen in dieser Technik eine meisterhafte Beherrschung des Umgangs mit Malgrund, Farbe und Pinsel. Weitere TechnikenWeitere Techniken sind entweder Varianten der Grundtechniken oder kombinierende Techniken. Die moderne Aquarellmalerei kombiniert unterschiedliche Techniken miteinander. Neben reinen Aquarellmethoden kommen Prinzipien der Zeichnung, der Kalligraphie sowie der Einsatz deckender Farben, v. a. Gouache, aber auch Acryl, hinzu. * Von größerer Bedeutung sind die ursprünglichen
Korrekturmethoden des Farbe-Abhebens und Farbe-Abschabens. Gemeinhin
gilt die Aquarellmalerei als unkorrigierbar. Durch die lasierenden
Farben sind korrigierende Eingriffe wie das Übermalen nicht möglich,
ohne den Aquarellcharakter zu zerstören. Begrenzt lässt
sich Farbe aber entweder durch späteres Anfeuchten und Abheben
mit einem Schwamm oder Tuch oder durch Abschaben der trockenen Farbe
erreichen. Beide Techniken lassen sich auch gezielt zur Bildgestaltung
einsetzen. Artikel Aquarell. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 8. Januar 2007, 17:45 UTC. URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Aquarell&oldid=26151069 (Abgerufen: 7. Februar 2007, 12:44 UTC |
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